Die Anfänge der Kunstauktion

Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 ist die Migrations- und Flüchtlingspolitik in Deutschland Gegenstand kontroverser, teilweise feindseliger und rassistischer Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit. Schon vorher gab es seit der Wende 1990 immer dann, wenn mehr Flüchtlinge kamen, den Ruf nach gesetzlichen Maßnahmen zur Begrenzung der Aufnahme von Migrant*innen und Flüchtlingen.

Die erste Hälfte der 1990er-Jahre waren durch fremdenfeindliche Übergriffe und Brandanschläge (Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen) einerseits und die Verabschiedung eines neuen Ausländergesetzes im vereinigten Deutschland und der Abschaffung des Asylrechts andererseits geprägt. Hinzu kam, dass die staatlichen und kirchlichen Institutionen und Initiativen zur Betreuung von Flüchtlingen (vor allem der Flüchtlinge aus den Balkankriegen) durch Sparmaßnahmen in ihrer Arbeit behindert waren oder – vor allem in den ostdeutschen Ländern – die Infrastruktur fehlte. Als dann auch noch 1995 die ABM-Maßnahmen gestrichen wurden, durch die die sozialen und kirchlichen Stellen vor allem die Migrations- und Flüchtlingsarbeit finanzierten, war das Überleben von Projekten und Initiativen für Migrant*innen und Flüchtlinge existentiell gefährdet.

In dieser Situation wurde in der Evangelischen Kirche in Berlin die Idee geboren, durch eine Kunstauktion Mittel zur Unterstützung von Projekten von Migranten und Flüchtlingen zu sammeln. Schnell fand diese Idee so viel Anklang, dass schon im Oktober 1996 die erste Kunstauktion stattfinden konnte. Zurückzuführen ist der erfolgreiche weg der Kunstauktion vor allem auf drei Faktoren:
– Viele Berliner Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstinteressierte haben von Anfang an mit Spenden die Kunstauktion unterstützt.
– Viele Helferinnen und Helfer engagierten sich ehrenamtlich für die Organisation der Kunstauktion.
– Viele Käuferinnen und Käufer unterstützten die Kunstauktion durch Ersteigerung der Kunstwerke.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich so die Kunstauktion nicht nur zu einer anerkannten Institution zur Unterstützung von Migrations- und Flüchtlingsprojekten, sondern auch am zweiten Wochenende im Oktober zu einem Kulturereignis der Berliner Kunstszene.